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Peten, Guatemaltekischer Dschungel, 20. März 2003 Hallo aus Guatemala Genau 10 Monate ist's her, seit wir unsere Reise starteten. Wie
sie doch vergeht, ...diese Zeit! Wie stehts denn mit der Wahrnehmung? März 2003 - Franziska und ich hier im Gebiet "Peten", im Dschungel von nordost Guatemala. 2 lange Monate mit vielen Autoproblemen in Mexico haben unser Zeitgefühl, etwas aus den Fugen gebracht. Nun sind wir froh, wieder Fahrtwind zu spüren. Wir verdauen gerade die schönen Bilder von "Tikal", den bislang eindrücklichsten Mayaruinen entlang unseres Weges, und versuchen wieder eine Gefühl für Ort und Zeit zu kriegen.
Click on pictures to get a closeup.... (German: Fuer
Grossbild klicke aufs Bild) Von Wahrnehmung und Standpunkten... Krieg im Irak...- letzte aktuelle News vor 10 Tagen -, Scheinbar haben die USA und Grossbritanien den Krieg gegen den Irak begonnen. Super. Generell scheinen viele Seifenblasen unseres Hochmuts in Wirtschaft, Gesellschaft & Politik am platzen zu sein. Und dann ein "Reisebericht" von Marius und Franziska: "Liebe Grüsse aus Mexico und Guatemala..." - mit schönen Bildern und liebevollen Geschichten. Toll. Willkommen auf Raumschiff Erde... - auf der Reise mit 100'000 km/h um die Sonne und mit gut 1'600 km/h Rotationsgeschwindigkeit um sich selber. Mehr als 2.4 Millionen Kilometer der Reise am Tag, für uns alle. Und dann unsere gesamte Galaxie, die sich als Ganzes vom Zentrum fortbewegt (Zentrum?!!....). Geschwindigkeit unbekannt. ....Wohin gehts?! Guatemala. Franziska und ich erfreuen sich der Sehenswürdigkeiten des Landes, je nach Ort, begleitet von 1-3 bewaffneten Führern. 4.5 Milliarden Jahre der Erdgeschichte "origin not fully understood....". Entsprungen aus einer Wolke von kaltem Gas, Eis und Staub, geformt durch Rotation, Kontraktion und thermonuklearer Fusion - ...die Urknall-Theorie. Die "Entgasung der Materie" (Vulkanismus) schaffte unsere Atmosphäre... und schliesslich erste Pflanzen und Tiere. Ja und dann den Menschen..., das erste intelligente Lebewesen auf unserem Planeten. Guatemala 2003: 36 Jahre Krieg und Jahrhunderte der Willkür, polititsches Verbrechertum, Angst und die einhergehende Armut sind allgegenwärtig. Die letzten 70 Jahre der Misere finden ihren Ursprung in der agressiven Einmischungspolitik der U.S.A, welche mit einem CIA-Coup 1931, das Ubico Regime an die Macht gebracht hat. Die U.S "Bananen"-Industrie in Guatemala musste damals sichergestellt sein. Bananen...- in der Folge 200'000 Tote und eine Welt von Korruption, politisches Verbrechertum, Angst und Armut, die bis heute anhält. Man muss es dreimal lesen, um's zu glauben. Wir lesen über Honduras, El Salvador, Nicaragua ... - ähnliche Geschichte. Immerhin..., die vielfältigen, uns zumeist unbekannten Pflanzen und Tiere entzücken und wir freuen uns auf die Besteigung der berühmten Vulkane. Sie sollen zu den schönsten der Welt zählen. Den privilegierten gehört die Welt! Man kaufe sich zur Sicherheit gegen Ueberfälle zwei bis drei bewaffnete Führer und geniesse die tolle Aussicht... Beim Fahren noch ein paar Fotos von Slums und Armut fürs Fotoalbum. 4.5 Milliarden Jahre Erdgeschichte. In unvorstellbaren 45 Millionen Jahrhunderten wurden durch komplexe geologische Vorgänge die fossilen Brennstoffe unserer Erde aufgebaut. Nach herrlichen knapp 200 Jahren unserer blühenden technischen Revolution ist der Grossteil des Erdoelvorkommens verbraucht. 35-40 Jahre noch, sagen die Experten...., aber "no problem" - bis dann funktionieren unsere neuen Motoren ja mit Wasser. Man schliesse die Augen... Das 1931 durch die US gestürzte Regime in Guatemala wollte erstmals gegen Korruption und Armut vorgehen und dringend notwendige Landreformen einführen. Seither behielten Militär und die Wirtschaftselite die Oberhand, und ein korruptes Regime löste das andere ab. 2 Mal wöchentlich führen amerikanische Tanker gemäss Vertrag mit den U.S. die täglich geförderten 50'000 Barrel Rohoel zu einem Schleuderpreis von Guatemala nach Texas. Und die Bananen.... Eindrücklich die Bilder entlang unseres Pfades durch die guatemaltekischen Berge, abseits des Tourismus. Offiziell 46% Arbeitslose, ...1/3 der Gesamteinahmen der Steuern fliesst ins Militär, kein Sozialsystem und ein Bildungs- und Gesundheitssystem, welches der Oberschicht vorbehalten bleibt. Unsere Route über die holprigen Kuhpfad vermittelt ein erstes Bild der hiesigen Realität. Motorisierte Fortbewegung ist Luxus. Mit Ausnahme von Bussen und wenigen vollbeladenen Pickups gibts keinen Verkehr. Kinder ab 5 Jahren sind voll in den Arbeitsprozess - oder besser Überlebensprozess - eingebunden. Barfuss, beladen mit 20 Kg Holz auf dem Rücken, getragen mit einem Lederriemen um die Stirn, kämpfen sie sich kilometerweit entlang des Weges. Aus Angst vor Entführung und Kinderhandel lassen sie Ihre Last beim Anblick unseres obskuren Gefährts oft fallen und retten sich in den Dschungel. Es lebe der Tourist... und er ziele mit seiner Kamera.... Es ist herzzerschmetternd. Vor knapp 500 Jahren wurde von den Spaniern der letzte Maya Widerstand gebrochen und es folgten Jahrhunderte der Sklaverei und Ausbeutung. Die 300 Jahre der spanischen Besetzung waren geprägt von Unterdrückung, Brutalität und durch politische und ökonomische Starre. Sie verhinderten bis weit ins 19. Jahrhundert eine selbständige Entwicklung des Landes. Zum Schutz der eigenen Monopole mussten sämtliche Rohstoffe an Spanien abgegeben werden, wodurch sich keine Verarbeitungsindustrie entwickeln konnte. 24. März 2003 Wir überqueren ein Gebirge nördlich des Itzabal-Sees. Der 4x4 Pfad ist so steil und steinig, dass wir zumeist mit 5km/h - im zweiten Gang der Untersetzung - fahren. Franziska liest über die Geschichte des Gebietes und der Indigénas. Die wenigen Bergbauern entlang des Weges begegnen uns mit Misstrauen, die Kinder und Frauen mit Angst. Wir fühlen uns 100% deplaziert. Vor wenigen Jahren wurde ein Aufstand in dieser Gegend mit brutaler Waffengewalt des Militärs gebrochen. Die ausgebrannten Kirchen sind oft letztes Zeugnis der Bombenteppiche, mit welchem die Militärs die problematischen Bergdörfer dem Erdboden gleichgemacht haben. Gigantische Flächen des Dschungels sind vollständig gerodet. Der Kleinwuchs an Büschen vermag der Erosion nicht standhalten. Längst stillgelegte Bergwerke, Minen und die verfallenen Strassen sind Zeugnis des unwiderruflichen Raubbaus, der hier betrieben wurde und der das Gebiet heute fast unpassierbar macht. Es ist, wie das Eintauchen in eine längst vergessene, ausgebeutete Welt. Unser Hobby Vulkanismus scheint uns in weiter Ferne. Wir verschlingen Literatur, um Gesehenes verarbeiten zu können und es fällt uns schwer, nicht politisch zu werden. Zuerst die Spanier und seit Beginn des 20. Jahrhunderts die U.S.A... Sie haben ganze Arbeit geleistet. Heute....Krieg im Irak. Keine Ahnung mit welchem Zwischenstand. Schon Pech, dass ausgerechnet 40% der einfachst zugänglichen Weltreserven an Erdoel im Irak liegen und der Tyrann Hussein nicht auf Freundschaft mit der Weltmacht steht. Interessant, dass bis zur Verstaatlichung der irakischen Ölindustrie 1972 überwiegend amerikanische und britische Konzerne im Irak das Zepter führten und sie dieses erst nach Husseins Überfall auf Kuwait endgültig abgeben mussten. Von Wahrnehmung und Standpunkten. Der Mensch, das erste intelligente Lebewesen auf unserem Planeten... schon traurig. Es bleibt zu hoffen, dass die Gesetze von "Ursache und Wirkung" mit ihrer Wirkung einst die Richtigen treffen. Heute erzählen uns andere Travellers von ihren wunderbaren Erlebnissen in Semuc Champey und Chichicastenango, eher touristischen Orten in Guatemala. Wir sind gespannt und hoffen fest, irgendwann den Mut aufzubringen, unsere Photokamera auszupacken, um die unglaublich schönen Farben der Trachten der Indigénas und die Ausdruckstärke ihrer Gesichter festhalten zu können - und wer weiss..., vielleicht wieder zu Humor und mehr Freude am Entdecken entfernter Winkel unserer Erde zurückzufinden. A propos Humor.. - Ein Versuch: Marius & Fränzi Nachtrag im Juni 2003: Fuer ein paar Eindrücke unserer Reise im südlicheren Teil Guatemalas "People and Colors" klicke hier. Fuer ein paar Eindrücke unserer Vulkan-Expeditionen klicke hier. ____________________________________________________ |
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