Holàti aus Ecuador!
Cotopaxi Nationalpark, Tombopaxi-Camp am 18. Juli 2003
Wieder mehrere Monate seit dem letzten groesseren Bericht von uns "Vulkanhoppers" aus fernen Landen.
Einmal mehr herzhaften Dank fuer die vielen Feedbacks, Inputs und auch fuer die vielen tollen Hints&Tips von Suedamerikakennern. Seit wir mit neuen Laptopbatterien
unterwegs sind, koennen wir das emailen und "in Kontak bleiben" aus der Natur wieder besser auskosten. Derzeit campen wir an einem herrlichen Ort auf knapp 4000 Metern
mit Aussicht auf den Cotopaxi, mit 5890 Meter einer der hoechsten aktiven Vulkane der Welt, welchen wir in zwei Tagen zu besteigen versuchen.



Basecamp am Cotopaxi mit Lamas und herrlicher Aussicht....


Entsprechend haeufiger Feedbacks fragen sich mittlerweile viele, ob uns das Reisen denn nicht langsam verleide. 15 Monate "heimatlos", das staendig draussen sein, die Haare
zumeist "struppig", warme Dusche im Durchschnitt alle Wochen einmal - heute hier, morgen da oder wer weiss - evtl. dort(?)... - wie kann das auf Dauer gefallen? Welche
Genre von Leuten ist zu so was geschaffen, welche nicht?
Interessante Auseinandersetzung.
Es scheint uns, insbesondere im Vergleich mit anderen Reisenden, dass wir zwar am ehesten wie die Backpackers als sog. "Traveller" eingestuft werden koennen aber dank
unserem eigenen Zuhause auf 4 Rädern insgesamt ein viel einfacheres und angenehmeres Reisen erleben als jene, welche sich täglich um Transport, Essen und einem Zuhause
fuer die Nacht umsehen muessen. Anstrengungen, welche in unserem Falle fast gaenzlich obsolet sind und auf Dauer mit Sicherheit zehren.
In unserem Falle steht ganz zu oberst unsere Unabhaengigkeit und Mobilitaet, dank deren wir zumeist weg von der Zivilisation ein geeignetes Oertchen finden, an welchem
wir ungestoert campen und die Natur und die touristisch nicht verfälschten Umgebungen
erleben koennen. Dank gut ausgeruesteter Kueche, Kuehlschrank und viel Stauraum
muessen wir auch kulinarisch nicht auf viel verzichten. Heut z.B. gibts feines
Suedamerikanisches Rinderfilet mit Gemuese... - "Jamm...." :)

Ich denke, dass Travellers, welche von Touristen-Station zu Touristenstation reisen (am ausgeprägtesten jene "à la Lonely Planet"), ein Land und seine Leute anders als
wir erleben. Unser Abenteuer des Erforschens der entfernteren Winkel unserer Erde mit Begegnungen mit den verschiedenen Kulturen und Menschen abseits der bekannten Pfade
und nicht zuletzt natuerlich das besteigen der Vulkane hat einen Reiz für uns, der sich in wenigen Worten so nicht umschreiben laesst. Im Vordergrund steht die Frage,
was denn letztendlich "Lebenqualitaet" ausmacht, bzw. welche Faktoren denn fuer Wohlbefinden und Gluecksgefuehle verantwortlich sind, bzw. was denn auf Dauer verleidet
oder eben müde macht.
In unserem Falle ist der grösste Energiespender jener, abseits von bekannten touristischen Pfaden auf Orte und Menschen zu treffen, welche selten oder noch nie Reisende
von Fern getroffen haben. Das Interesse, die Gastfreundschaft und Offenheit ist durchwegs gross und sorgt fuer spannende und unvergessliche Momente. Auch die Kinder
schliessen uns zumeist binnen wenigen Stunden in Ihr Herz und oft faellt der Abschied am naechsten oder uebernaechsten Tag schwer.


Vor zwei Wochen haben wir z.B. am Hang des aktiven Vulkans Tunguragua auf gut 4000 Meter inmitten einer herrlichen Wiese umgeben von Kuehen gecampt. Der Bauer hiess uns
am nächsten Morgen herzlich willkommen und meinte auf dieser Höhe sei seit Menschengedenken kein motorisiertes Gefährt mehr gewesen. Er schenkte uns Kuhmilch, welche er
neben unserem Auto grad gemolken hatte und wir revanchierten uns mit Kaffe und frischem Brot und hoerten spannende Geschichten über das Leben am Hang eines der aktivsten
Vulkane in Suedamerika.

Nach fast 4 Monaten in Zentralamerika mit vielen, sehr vielen, bleibenden Eindrücken haben wir unser Gefaehrt vor 3 Wochen von Costa Rica aus nach Ecuador verschifft.
Ecuadors Bergwelt und insbesondere die Galapagos Inseln gehoeren bislang zu den Hoehepunkten unserer Reise. Waehrend 10 Tagen haben wir mit einem Boot die verschiedenen
Galapagos Inseln erkundet. Galapagos liegt über einem sog. Hotspot, über welchen sich die Nazca-Platte hinwegbewegt und in Millionen von Jahren ein Kette mit über 10
grossen Inseln erschaffen hat. Die Abgeschiedenheit der Inseln sowie das von kalten wie auch warmen Meeresstroemungen beiflusste Klima hat eine einzigartige Fauna und
Flora mit einer Fuelle Endemischer Arten erschaffen. Die westlichsten Inseln sind vulkanisch jünger und bieten noch heute fantastische Naturereignisse in Form von
maechtigen Vulkanausbruechen. Fuer uns am bleibendsten waren allerdings die Begegnungen mit den Galapagos-Tieren, welche in Ihrer Evolution nie gelernt haben, Angst
vor Feinden zu haben und
uns Besucher in naechster Naehe dulden, bzw. oft sogar selbst Spass am naeher Kennenlernen haben
und mit unsereinem anfangen zu spielen. So hat mich denn beim Schnorcheln
zum Zeitpunkt X ein Pinguin mit dem Schnabel zuerst am gepolsterten Aermel gepackt und dann Minutenlang mit meinen farbigen Flossen gespielt. Man muss es gesehen haben,
um's zu glauben.
Fuer Bilder und mehr Details über unsere "Galapagos Reise" klicke hier...
Auch die Seeloewen haben einen heiden Plausch mit uns Tolpatschen im Wasser. Oft schwammen sie direkt auf uns zu, um dann knappe 50 cm vor dem "Zusammenprall"
elegant auszuweichen. Weiteres Galapagos Lieblingstier nach einer Woche war der Blaufusstoelpel ("Blue footed Boobie"), der uns wohl von allen Tieren am meisten zum
Lachen brachte.
Tja.. - und nun wie gesagt ca. 4000 Meter hoeher in den Anden in ganz anderen Klimaten. Lange Unterhosen, Kappe, Haendsche... und oft waren wir froh, dass wir von
unserem Schweizbesuch eine neue und funktionierende Diesel-Heizung mitgebracht haben, welche die glaskalten Abende und Naechte hier oben etwas angenehmer macht.


Derzeit bereiten wir uns auf die groeberen Vulkanbesteigungen in Ecuador vor. Vor 4 Tagen campten wir am Vulkan Gayambe auf 4500 Meter und stiegen mit Steigeisen und
Pickel auf knappe 5000 Meter auf. Da aufgrund einer vorherigen Schlechtwetterperiode ungewoehnlich viel Schnee lag und sich an vielen Stellen blankes Eis bildete war der
Aufstieg bis zum Gayambe Gletscher auf 5000 Meter fuer uns bereits ein ziemlich spektakulaeres Erlebnis.
f

Volcan Cayambe - Aufstieg auf 4970 Meter...
Hoehepunkt in Ecuador wird unsere auf uebermorgen geplante Besteigung des Cotopaxi sein, fuer welche wir eine
professionellen Fuehrer gefunden haben. Obschon wir mittlerweile an 4000 Meter gewohnt sind und anfaengliche leichte Hoehenkrankheiten (Kopfschmerzen, Durchfall) ziemlich gut ueberstanden haben, werden die
5890 Meter
des Cotopaxi eine neue und spannende Erfahrung sein. Nebst Ausbleiben von neuen Hoehenproblemen hoffen wir insbesondere auf gutes Wetter und klare Sicht, denn ohne diese
zwei Faktoren wird aus dem Traum auch rasch ein Alptraum... - News folgen in
jedem Fall.
Nach Cotopaxi gehts zurueck zum aktivsten Vulkan Ecuadors - Volcan Tungurahua - etwa 150 Km suedlich von hier. Tungurahuas konstante pyroklastischen Vulkaneruptionen
haben in den letzten Monaten grosse Landstriche im Sueden/Suedwesten mit einer Ascheschicht zugedeckt. Mit etwas mehr Glueck als beim letzten Besuch, als ich unsere
Kiste im Schneematsch auf ca. 4000 Meter in den Schlamm setzte und die halbe Nacht mit Schaufeln zubrachte, hoffen wir, den Vulkan naechste Woche zum ersten Mal ohne
Wolken, Schnee und Regen beobachten zu koennen - und wer weiss, vielleicht sogar etwas naeher als allgemein empfohlen, an die Geschehnisse auf über 5000 Meter Hoehe
heranzukommen...
Anschliessend gehts zuegig weiter gegen Sueden. Cuenca, die beruehmte Kolonialstadt in Ecuadors Anden wird die letzte Station sein, bevor wir in spaetestens 10 Tagen nach
Peru einreisen. Peru und Bolivien bieten gemaess gelesenem und vielen Inputs von Freunden und Bekannten weitere fast unuebertreffliche Naturschoenheiten und wir hoffen
fest, dass wir genug Zeit finden, um diese auch erleben zu koennen.
Euch
wuenschen wir viel Zeit, den unglaublichen Sommer in Europa zu geniessen - oder,
falls Ihr wie wir an einem andern Ort steckt viele tolle und bleibende
Erlebnisse.
1000 :)
Marius & Franziska
http://www.volcanos.ms
Nun
(24.7.2003) natuerlich noch ein Kurz-Update über unsere Cotopaxi - Besteigung,
sowie einem ungeplanten... - nicht ganz ungefaehrlichen Unterfangen am Vulkan
Tungurahua:
Mail-Auszug "Bericht Besteigung Cotopaxi" von
Fraenzi vom 22.7.2003:
***********************************************************************************
hallo
zusammen!
wir haben's geschafft ... standen gestern am hoechsten aktiven Krater der
Welt, auf dem Vulkan Cotopaxi, der gleichzeitig mit seinen 5897 Metern
auch der 2. hoechste Berg Ecuadors ist. Es war einfach unbeschreiblich ...
unbeschreiblich kalt, windig, steil, anstrengend, hoch, duenne Luft ...
unbeschreiblich eindruecklich, schoen!!

Ueber den Wolken - auf dem Cotopaxi, dem hoechsten aktiven
Vulkankrater der Welt....
Nach 3 Stunden Schlaf in einer Schutzhuette auf 4800 Meter sind wir um 24.00
Uhr gestartet. Wir hatten Glueck mit unserem Fuehrer, der nebst professionell
und sympatisch vorallem auf unseren Wunsch einging, den Aufstieg ganz gemuetlich
anzugehen, nach dem Motto, lieber zwei Stunden mehr fuer den Aufstieg, dafuer
eben dann auch den Gipfel erreichen.
Die erste Etappe war ganz Vulkan-typisch, es ging auf Basalt und Sand steil
hinauf, 2 Schritte nach oben, 1 Schritt hinunter. Da waren wir schon fast
erleichtert, als wir den Gletscher erreichten und die Steigeisen montieren
konnten.

Der Einstieg in den Gletscher war nicht einfach, wir mussten zuerst
ne Wand hochklettern, was auf ner Hoehe von 5000 Meter sehr atmungsintensiv
ist. Danach ging es in der Dunkelheit einfach stundenlang unheimlich steil
nach oben (des oeftern war es zu steil um "normal" zu Laufen und wir
bewegten
ueber lange Strecken mit "Staegele" (wie Hochgehen auf den Skiern)
vorwaerts.
Wir kaempften dabei nicht nur gegen Kaelte (Marius hatte zum Teil schon
Erfrierungserscheinungen), die duenne Luft und die Steile des Berges an,
sondern auch gegen einen schon fast orkanartigen Wind, der uns mit 80 -
100 Std/km zum Teil frontal entgegen pfiff und ein Atmen und Vorwaertskommen
beinahe verunmoeglichte. Ganz ungefaehrlich war es auch nicht, wie mein
"Sturz" in ne Gletscherspalte bewies. Der Fuehrer war sehr aufmerksam
und
hielt mich unverzueglich, so dass mein Kopf noch auf Schneehoehe war und
ich mich mit dem Pickel selber hinaufziehen konnte (kein Grund fuer Alptraeume,
gell Mami). Bei unserem letzten Halt, rund 150 Meter unterhalb des Gipfels,
kaempfte Marius mit der Kaelte und vorallem mit der Hoehe... schnauf, schnauf
... und wir mussten uns, total erschoepft wie wir waren, recht gegenseitig
motivieren, um den "Sturm" auf den Gipfel in Angriff zu nehmen. Dass
alle
Gruppen, die am gleichen Ort wie wir rasteten, kurz nach dem Rastplatz aufgaben
und zurueckkehrten, half uns auch nicht gerade! Aber wie es aebe so ist,
we mier eppis im Gring hei, de hei miers nid im Fuedle ... kennt ihr ja
bestens aus unserer Kindheit ;-) ... und so haben wir uns die letzten und
schlimmsten 150 Meter hinaufgekaempft. Um 8.00 standen wir dann endlich
oben, heftigst keuchend, todkaputt, aber total gluecklich und stolz! Die
Aussicht war grandios, alle 5000er ueber den Wolken, zum Teil auch Blick
ueber die Hochebene und vorallem auch in den welthoechsten aktiven Krater
mit Fumarolen. Trotz eisiger Kaelte (ca. - 10C, unsere Getraenke waren in
den Rucksaecken steinbein gefroren) und Wind hat Marius bis kurz vor Abfrieren
der Finger fotografiert und gefilmt.

Der Abstieg ging dann vorallem in die Knie ... war aber jetzt bei Tageslicht
phantastisch ... durch bizarre Eislandschaften mit Eiszapfen, Eisblumen,
ueber Gletscherspalten, entlang von Eiswaenden... wie im Maerchenland!

Unten erfuhren wir, dass von 42 Gipfelstuermern es nur gerade 8 auf den
Gipfel geschafft haben ... duerft also schon es bitzeli stolz auf uns sein.
Der Berg hat auch uns Tribut gekostet ... wir haben rund 15 Stunden
durchgeschlafen
und ich hatte vermutlich aus Erschoepfung Kopfschmerzen.
und nun noch
rasch - die Geschichte mit dem Berg, der uns einfach nicht wollte....:
Am
naechsten Tag fuhren wir dann wieder zum Vulkan Tungurahua, in der Hoffnung,
diesen doch noch Besteigen zu koennen. Wie jedoch bereits bei unserem ersten
Besuch, steckte dieser in dicken Wolken. Na ja, wollten dann hoch zum Refugio
fahren (man weiss ja nie, vielleicht lichten sich in der Nacht die Wolken
doch noch und wir koennen ein paar Ausbrueche beobachten), haben uns dann
aber total verfahren. Wegweiser sind in Ecuador Mangelware und stehen wenn
vorhanden, dann an Orten, wo eh alles klar ist. Jedenfalls sind wir auf
ner Strasse gelandet, wo Bruecken und Teile der Strasse durch Asche-, Schutt-
und Schlammlawinen des Vulkans verschuettet wurden. Damit die Doerfer nicht
ganz von der Welt abgeschnitten sind, wurden prov. ein paar Holzbruecken
hingebastelt. In der Daemmerung und in der Annahme, dass dies eben die oft
befahrene Strasse zum Refugio sei, haben wir uns bei der 1. - war zwar etwas
schmal - Holzbruecke noch keine Sorgen gemacht. Die 2.und 3. Bruecke war
dann schon etwas wackliger und bei der vierten sind wir dann doch ausgestiegen,
da ein Brett fehlte und die Bruecke kraeftig durchhing. Aber was solls -
haben wir gedacht, bei den anderen hat sie ja auch gehalten - und fuhren
drueber. Sie hat gewackelt und "gekrost" aber immerhin kamen wir auf
der
anderen Seite an. Kurz darauf haben wir einen Einheimischen getroffen und
ein bisschen mit ihm geplaudert. Leicht erstaunt, dass wir mit unserem Gefaehrt
auf dieser Strasse sind, fragt er uns nach ner Weile, wie schwer das Auto
ueberhaupt sei ... die Bruecken seien nur fuer 2,5 Toenner gebaut. Moment
der Blaesse fuer uns, denn unser Goeppeli wiegt vollbepackt und vollgetankt
wie es gerade war zwischen 3,5 und 4 Tonnen... igitt. Wir sind dann noch
etwas weiter gefahren (der Einheimische hat unser Angebot, mit uns mitreiten
zu koennen, dankend abgelehnt), haben dann aber vor der naechsten Bruecke
unser Nachtcamp aufgeschlagen. Gut geschlafen haben wir nicht gerade - sollen
wir, in der Annahme, dass wenn die Bruecken ein 1. Mal hielten auch noch
ein 2. Mal halten, zurueckfahren oder es riskieren, die letzten 3 unbekannten
Bruecken Richtung Riobamba zu befahren. Auf Anraten der Einheimischen haben
wir uns am Morgen fuer die Rueckkehr entschieden. Wie du siehst, haben die
Bruecken gehalten, haben uns jedoch ne rechte Portion Angstschweiss gekostet!
Im Moment haben wir gerade etwas genug von Abenteuern und goennen uns in
Cuenca zwei Tage in einem schoenen Hotel mit heissen Schwefelbaedern (schon
es bitzeli Luxus, Zimmer kostet doch ganze $ 15 ;-) ).
Morgen geht es jedoch bereits wieder weiter und zwar hoffen wir bis zur
peruanischen Grenze zu kommen.
en dicke Schmatz
HugilisdieGipfelstuermer
PS:
Anbei noch ein paar Bilder über Land und Leut in Ecuador:






Lamas und unser Exped-Mobil....

Let's get some sun.... (Akklimatisationswanderung beim Cotopaxi)

Wildpferde vor dem Cotopaxi....

Lamas am Hang zum Cotopaxi.... (in Zentrum eine Mini-Junior-Lama)

Camp am Volkan Cayambe auf 4450 Meter.... -

Climbing-Views "Fraenzi in the ice..." on Cayambe at almost 5000
Meters

...und
herrlicher Sunset am Cayambe....