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Hello aus Alaska. (Chicken Community, West Fork River, Mittwoch, 17. Juli 2002)
Schon fast 8 Wochen ist's her seit wir unsere Reise gestartet haben -... wie die Zeit fliegt! - ...Sorry, dass wir noch nicht sehr "gespraechig" waren, aber hier drüben fliegt sie noch fast schneller als zu Hause im "hard working live".
Wie schon auf unserer letzten grossen Reise, versuchen wir auch dieses Mal, nicht den Touristenpfaden zu folgen, sofern es Möglichkeiten gibt, und tja.., Internet-Access war bislang schon ziemlich grosser Luxus..., ohne zu leugnen, dass wir zudem schreibfaul sind, aber das wissen ja auch all unsere Freunde.
Unsere Reise fuehrte uns in 7 Wochen von Halifax aus quer durch Kanada. 11'000 Km und vor ein paar Tagen haben wir auf dem noerdlichsten Pfad in Kanada ueber den "Campbell-Highway" und dem "Top of the World" - Highway die Grenze zu Alaska passiert. Perfekte Jahreszeit fuer die Klimaten hier am noerdlichen Wendekreis und ziemliche Umgewoehnung, dass es hier im Sommer 24h Tageslicht hat. - Hugi will da gar nie schlafen gehen!.. ;)
Derzeit, auf dem 65. Breitengrad, geht die Sonne um 4h so etwa auf 30 Grad Nord auf und senkt sich um 1h frueh so ca. bei 330 Nord, wobei es 24 Stunden lang Taghell bleibt. Mit der Orientierung nach der Sonne ist's dabei gar nicht so einfach und ja..., unsereiner hat sich beim Wald-Durchqueren nach dem Fischen schon mal ziemlich verirrt. (Aber man lernt ja immer dazu...).
Auf dem Campbell Highway haben wir in 5 Tagen etwa 8 Autos gekreuzt. "Highway" ist denn fuer unsere Gewohnheiten auch etwas übertrieben fuer das ungeteerte und ziemlich holprige Straesschen, welches uns letzte Woche durch die noerdliche Wildnis des Yukons in Kanada fuehrte. Die Weite und die unberuehrte Natur welche wir in den gut 10'000 Km durch Kanada erlebten, weckt ähnliche Gefühle, wie wir sie vor ein paar Jahren in Australien hatten. Hier gilt die allgegenwärtige Ehrfurcht abseits der Strassen allerdings nicht dem Krokodil und der Schlange, sonderen Bär, Bison und Elch, denen man auf jedem Schritt begegnen kann... - und oh ja... 'wir hatten unsere "Encounters", doch dazu ein paar Muesterchen spaeter.
Vor 1 Monat haben wir uns ein Kanu gekauft... - inkl. Segel und allem was dazu gehoert. Seither sind es die unerschoepflichen Wasserwege, über welche wir entfernte Gegegenden erforschen. Am meisten Spass macht dabei, wenn uns ein angenehmer Wind mit 5-8 Km/h vorwärts bläst und wir schon ziemlich in die Wanten hangen müssen, damit wir nicht kentern. Dank 2 seitlich montierten Kielen und Vor- und Hauptsegel kreuzen wir mit dem Boot auch problemlos gegen den Wind auf und wow..., was fuer ein Gefuehl, nach wenigen Stunden über Fluesse und Seen in Gebiete einzudringen, in welche sich sonst wohl nur Biologen oder Trapper verirren...
Letzthin, ...wir hatten gerade Camp am See zum übernachten aufgeschlagen, ...knacken im Gebuesch, das knacken kommt näher..., Feuer brennt noch keins..., flaues Gefühl im Magen. Ploetzlich tritt ein Indianer gehobenen Alters in Jeans und Hemd (ja.., heut tragen auch die Einheimischen unsere Zivilisationsklamotten..., wie wenn das nicht logisch wäre!) - mit der Flinte in der Hand - durch die Straeucher. Seine Erste Frage in gebrochenem Englisch: "Habt Ihr kein Gewehr?", "no...", "Bear-Spray?"."no..." (Baeren-Spray ist etwa wie ein Feuerloescher, mit welcher man versucht einem zu interessierten Baer Cayenne-Pfeffer in die Augen zu sprayen) - ...langes Seufzen und tiefe Runzeln des Einheimischen. "Your're real tourists eyiii...! - Better keep a big fire goin'..!". Wir überlegen uns, ob wir uns etwa so verhalten, wie die Japaner mit den Turnschuhen auf dem Matterhorn. Sicher sind wir uns nicht. 1 Minute spaeter erneutes knacken im Gebuesch und ein zweiter Einheimischer tritt hervor. Seine Flinte abgeschnitten, wie sein Kollege sagt, perfekt als "baer-stopper". - "Zu Zweit auf der Jagd".. meint der Erste. - Mhhmm. Der zweite Indianer sprach kein Englisch, war gute 2 Meter hoch und so breit wie ein ein Kleiderschrank, auch schätzungsweise 50-60 Jahre alt, ...eher unfreundlich, Alkohol-Fahne. Im Nachhinein schade, da lehrreich und sehr interessant, aber wir waren zu dem Zeitpunkt ziemlich erleichtert, als sie weiterzogen, nachdem sie uns ein paar Fragen hinsichtlich der Sichtung von Elch, Biber oder Baer gestellt hatten. Es ist Jagd-Saison und die "Natives" (Indianer) duerfen per Gesetz in Kanada beliebig viel Wild schiessen, um wohl über den Winter zu kommen, der hier bereits Anfangs Oktober beginnt. Das Fleisch wird wie in alten Zeiten getrocknet und in der eisigen Kälte des hiesigen Winters hält es sich bestens bis zur Schneeschmelze im Mai/Juni.
Am meisten Freude bereiten uns schon diese Exkursionen in die Wildnis und das Feeling, das damit einhergeht. Noch sind wir noch nicht in Vulkan-Gegenden (..aber schon bald! :)...) und die letzten 7 Wochen waren gute Vorbereitung und wie in Australien sind die "was-wenn-Bär"-, "was-wenn-Elch"-, "was-wenn-Bison"-Gedanken allgegenwärtig, wenn man durch die Wälder zieht oder am Rand eines Gewässers Camp aufschlägt.
"was-wenn-Bison".. - ja, da gibts so ein Muesterli einer unserer Tageswanderungen, die erzaehlenswert ist: ...Fränzi und ich kommen des Weges und die "Chueplütter" mitten auf dem Weg werden immer frischer und saftiger... - sagt Fränzi: "Du, mit etwas Glück bekommen wir evtl. doch noch einen Bison zu sehen" und ich stimme herzhaft hoffend mit bei. Schliesslich waren wir schon 5 Stunden ohne Tiererlebnis unterwegs. Keine Minute später (ich bestaune während dem Gehen gerade die Landeversuche von perlmuttergrünen Käfer in einem solch halbfrischen Plütter) packt mich Fränzi am Hemd. Keine 7 Meter vor uns steht ein Bison mitten auf dem Pfad. Der Bison ist friedlich am Grasen, der Schwanz baumelt regelmässig nach links und rechts. Echt friedlich... - dacht ich mir. "Oh.." sagt Fränzi... "schau Dir sein Ding an!". Ah ja..., nicht zu verkennen: Ein stolzer Bison-Bulle. "Mhmm... - Bison-Bulle", sagen wir uns... - eher vorsichtig sein...!
Sicherheitshalber bewegen wir uns 3 Meter zurück (8-10 Meter schienen mir perfekt, und ich denke, Herr Bison hat uns zwar erkannt, interessiert sich aber nicht fuer uns. Cool. Nach ein paar Fotos von Hinten denk ich mir es wär doch nett, wenn ich den Kopf dieses herrlichen Tieres auch noch auf ein Bild kriegte und ich mache drei kurze "Tsch-Laute". Der Bison hebt seinen Kopf und rast herum, der Schwanz steht in die Höh - ganz wie in der Arena in Barcelona, nur das uns leider das rote Tuch und die Abitionen für so was fehlen. "Ach Du dicke Banane... - das ist ernst".... und noch bevor wir wissen wie uns geschieht ein lautes "Schnaub...." und ein Stampf, der den Boden erzittern lässt. - ...tja und jetzt wo der Bulle herrliche Foto-Pose machen wuerde ist Hugi doch das Fotografieren glatt vergangen und langsam,langsam, ja - wirklich langsam... (Fränzi's Fingernaegel krampfen sich derweil in meinen Aermel) bewegen wir uns rückwärts. "was-wenn-Bisonbulle..." war angesagt - uh... ja: "Rennen wie der: Teufel? was sonst!!? ...evtl. ein Baum?..- "Mist" ueberall nur so astlose Baumgeschwuere... "hilfe!". Tja, ...Du kannst Dir denken, wie froh wir waren, dass es nicht soweit kam. Aber es war knapp... - so was hat man im Gefühl... - und nachdem wir ins Sicherheit waren "toll", wow - wir haben wieder mal was feines erlebt. :)
Die Tiererlebnisse waren bislang schon die Hoehepunkte unserer Reise und wenn wir anderen Touristen zuhören gehören wir wohl zur Gattung "Glückspilz" und wir hoffen, dass dies so bleibt. Gestern konnten wir auf einem Platz unweit vom Highway fast 2h lang eine Bärenmutter mit Ihren zwei Jungen beobachten. Scheinbar hatte sich Mamma-Bär an Autos gewöhnt. Um noch bessere Fotos zu kriegen sind wir schliesslich bis auf wenige Meter rangefahren. Die kleinen waren äusserst skeptisch und beim kleinsten Geräusch sind sie im Gras untergetaucht, um nach wenigen Momenten wieder quiick-vergnügt und sorgenlos umherzulümmeln. Wunderbar..., und das im sicheren Käfig des Autos - einmal ohne dieses seltsame "was-wenn-Bär"-Gefühl. Ja, hier drüben ist's umgekehrt wie bei uns: Die Tiere sind frei, während die Menschen in Ihren blechernen Käfigen Schutz suchen - hihi.
Vor 3 Tagen war's allerdings anders, als wir mit unserem Kanu kurz nach der Grenze in Alaska 2 Tage lang die wenig besuchte West-Fork des 40-Mile-Rivers runterrafteten und paddelten und unterwegs auf einer Sandbank Camp für die Nacht aufgeschlagen hatten. Ich hatte 2 Fische gefangen und wir machten uns schon etwas Sorgen, als sich der feine Grillgeschmack im gegenüberliegenden Waldstück verbreitete und wir dann prompt das laute Rascheln und Aesteknacken eines Bären hörten, der natürlich auch gerne etwas vom Fisch abgekriegt hätte. Hugi ist in der Nacht etwa 5 Mal aus dem Schlafsack gekrochen, um mehr Holz übers Feuer zu legen und zu sehen, ob unser Nahrungsmittelbeutel, den wir 30 Meter weiter in die Bäume gehängt hatten noch da ist. Tja.. - und Bärenspuren von Mamma-Bär und einem Jungtier konnten wir auch unverkennbar im Sand finden.
Am nächsten morgen führte uns der Fluss wenige Meter an einem Wolf vorbei, der uns vom linken Ufer aus beobachtete. Er war sehr scheu und wusste nicht so recht, ob er weglaufen sollte oder nicht und so sprang er bei jeder Bewegung von uns ins Gehölz um dann gleich wieder interessiert und füchsisch schnuppernd ans Ufer zu treten. Es schien mir, dass er noch recht jung war und so was wie uns noch nie gesehen bzw. geschnuppert hatte.
Freudige Erlebnisse hatten wir auch mehrfach mit Bibern, die sich nahe ans Boot wagen und dann wie um "hallo" zu sagen, mit dem Schwanz laut aufs Wasser zu schlagen, bevor sie wegtauchen, um dann irgendwo wieder links, rechts, hinten oder vorne aufzutauchen. In fast jedem kleinen See oder Fluss sind wir auf Biber oder gar ganze Biberkolonien gestossen. Erstaunlich, welch unglaublich grossen Bauten, die kleinen Nager bauen. Der grösste Biber-Damm, den wir gesehen haben, war mehr als 30 Meter breit und hat das Wasser auf über 1 Meter Höhenunterschied gestaut... - unsereiner denkt hier an ein kleines Kraftwerk! :)
So... - langsam sollten wir Rücksicht auf die Deinerseits evtl. beschränkte Lesefreude nehmen (..wir wissen wie's ist mit so langen emails). Man hat zu Hause zumeist keine Zeit, für so was.... - tja, aber doch noch kurz, über unsere Pläne und was was wir nebst Hiken, Boaten sonst noch so tun:
Kurzstatistik:
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1. Fahren .... - während der Fahrt spanisch lernen bzw. Fränzi liest viel aus den Büchern über Kanada, Alaska und den hiesigen Pionierzeiten vor.
2. Leute treffen und lernen, wie man in dieser Abgeschiedenheit auf echte Dauer nicht Technologiewehen bzw. Zivilisationswehen kriegt.
3. Fische fangen (ist herrlich einfach hier)...- zumeist gibts "Northern Pike" (Zahnder) oder Grayling (wie Forelle, nur noch zarter. Lachs hatten wir bislang leider noch nie an der Leine... - aber die sog. "Lachs-Run's", wo die Lachse zu Tausenden die Flüsse hoch gehen, kommen noch (hoffentlich).
4. Fein Essen! --> Fränzi zaubert Essen, ich sag Euch.... - mit Abnehmen war nix, nobis und nomol nüüüt!!!
5. Auto instandhalten & Improvements. Unsere Kiste ist mittlerweile DIE Touristen-Attraktion No 1, hat aber auch viel Liebe und "Handwork" gebraucht. Vor 2 Wochen mussten wir noch die Kupplung wechseln, Oelwechsel zum zweiten, Leck hier und da flicken, Konstruktionen hier und da usw. - Aber das macht ja auch Spass und gehört dazu. Man staunt mittlerweile nicht schlecht, wenn sich unser Dach trotz 70Kg Dachlast mit Boot und allem, wie von Geisterhand getragen anhebt.
6. Gold-waschen: Ja, wir haben 2 "Goldpans" - ...das ist ein Muss im "Klondike-Goldrausch"-Gebiet und: Welch Hoehenflug, wenn sich in einer unserer Pfannen nach dem "pannen" einer Ladung Flussgestein tatsächlich ein Koernchen Gold findet. --> Reich sind wir leider (noch) nicht geworden, aber für ein paar Bier reichts allemal... :)
Schade, dass wir (noch) keine Bilder schicken, können - leider war unsere neue Digitalkamera nach der ersten Woche Reisen defekt und musste zurück in die Schweiz. Morgen sollten wir sie allerdings endlich in Fairbanks abholen können.
Pläne:
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Fairbanks, Denali-N.P., Anchorage in ca. 6-8 Tagen, dann Expeditionen in Vulkangebiete, evtl. Aleuten - ...das wird wieder spannend! Mitte August entlang der Westküste von Alaska und Kanada südwärts bis nach Vancouver, anschl. Reise zu viert mit den Daddy's in die berühmten Nationalparks (Banff-, Jasper-, Glacier-, Yellowstone u.a.) und bis dann denken wir, haben wir sicher wieder mal Zeit gefunden für ein paar Geschichten und sicher ein paar tolle Fotos aus dem wilden Westen und ja wir wissen... - unsere Webpage! Die geht dann live, sobald wir am Ring of Fire auf unsere Vulkane stossen... :) - News folgen.
Haltet die Ohren steif, - take it easy - ...und E-Mails freuen uns natürlich prächtig!
1000 :)
Marius & Fränzi
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